Spanische und lateinamerikanische FabelwesenVorsicht vor dem bissigen Dip!

Die Begeisterung vieler Schüler für fantastische Tierwesen, die sie aus modernen Fantasybüchern und -filmen kennen, lädt zu einem spannenden Ausflug in die spanische und lateinamerikanische Folklore ein. Einige Fabelwesen und Ungeheuer stellen wir Ihnen hier vor.

Der Chupacabra – eines von zahlreichen Fabelwesen Lateinamerikas.

Der Chupacabra – eines von zahlreichen Fabelwesen Lateinamerikas. Bild: John Erickson / Shutterstock.com

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El cuegle

Der cuegle ist ein Monster aus der kantabrischen Mythologie. © Foe Rodens

Ahuízotl

Der aztekische "Wasserhund" Ahuízotl. © Foe Rodens

Alicanto

Der chilenische Alicanto. © Foe Rodens

Aus Fantasyfilmen wie „Harry Potter“ und dessen Ableger „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, „Narnia“ oder Fernsehserien wie „Grimm“ (s. u.) oder „Supernatural“ sind unsere Schülerinnen und Schüler mit sagenumwobenen Kreaturen vertraut. Die Schüler mag es überraschen, dass einige der Fabelwesen aus diesen fiktionalen Werken auch im Volksglauben und in alten Sagen und Legenden zu finden sind.

Spanische Fabelwesen

Cucuy und Cuegle

So sind der Cucuy (oder Cuco/Coco) und der Cuegle, die in der dritten und sechsten Staffel der Fernsehserie „Grimm“ ihr Unwesen treiben, Ungeheuer aus der spanischen bzw. kantabrischen Mythologie.

Der Cuegle ist humanoid, hat schwarze Haut, drei Arme, fünf Zahnreihen und drei Augen – und stiehlt Vieh von der Weide und Babys aus den Häusern. Mit Eichen- und Stechpalmenblättern lässt er sich abwehren.

Der Cucuy ist ein Kinderschreck, ein Gestaltwandler, mit dem Eltern ihre Kindern z. B. zum zeitigen Schlafengehen erziehen wollen: Er lässt unartige Kinder verschwinden, indem er sie entweder entführt oder auffrisst. Ein Reim aus dem 17. Jahrhundert lautet:

Duérmete niño, duérmete ya.
Que viene el Coco y te comerá.

(Juan Caxés: Auto de los desposorios de la Virgen)

Das älteste Zeugnis stammt aus dem 15. Jahrhundert. Im Cancionero von Antón de Montoro (1445) heißt es: „Tanto me dieron de poco / que de puro miedo temo, / como los niños de cuna / que les dicen ¡cata el coco! …“

 

Cuélebre und Dip

Auch nicht menschliche Kreaturen wie Drachen, Hundeartige und andere Mischwesen gibt es in der lateinamerikanischen und spanischen Folklore.

Der asturische/kantrabrische Cuélebre ist ein geflügelter Drache, der die Xanas (Quellnymphen) in seiner Schatzhöhle gefangen hält. Besiegen lässt er sich, indem man ihm Brot mit eingebackenen Stecknadeln zu fressen gibt. Sein Speichel soll zu einem magischen Stein werden, der Krankheiten heilen kann.  Einige Toponyme in Asturien gehen auf den Drachen zurück, z. B. die „Cueves del Cuélebre“ bei Mestas de Con, oder der „Pozu del Cuélebre“ bei Cuerres.

Der katalanische Dip ist ein dämonenhafter, haariger Hund mit einer lahmen Pfote, der sich von menschlichem Blut – vor allem dem von Betrunkenen – ernährt. Auf den Dämonenhund ist der Name des Ortes Pratdip (prado del dip) zurückzuführen; der Dip ziert das Wappen des Ortes.

 

Lateinamerikanische Fabelwesen

Chupacabra

Eines der berühmtesten lateinamerikanischen Fabelwesen ist der Chupacabra, der Ziegen und Schafen das Blut aussaugt und wie ein Chamäleon seine Farbe ändern kann. Er ist gleichzeitig eines der jüngsten Tierwesen: 1995 wurde er zum ersten Mal in Puerto Rico erwähnt. Er soll auf seinem Rücken Stacheln tragen und bis 1,50 m groß sein. Ansonsten variieren die Beschreibungen und Vorstellungen: Mal wird er als nackter Koyote dargestellt, mal als reptilienartige, manchmal auch als außerirdische Kreatur.

 

Ahuízotl

Ein anderes Fabelwesen ist der Ahuízotl, „Wasserhund“. Diese Kreatur aus der aztekischen Mythologie hat eine Hand am Ende seines Schwanzes. Wie ein Baby weinend soll er Menschen ans Ufer locken, sie dann mit der Hand ins Wasser ziehen – und am liebsten die Zähne und Nägel seiner Opfer fressen. Die Opfer galten als von den Göttern auserwählt für das Paradies.

 

Alicanto

Der chilenische Alicanto ist ein magisch schöner Vogel mit goldenen Flügeln, die im Dunkeln phosphoreszieren. Er frisst Gold und Silber und bringt Menschen unermesslichen Reichtum – aber nur, wenn sie ihm unentdeckt folgen. Entdeckt er sie, führt er sie auf gefährliche Wege, bis sie entweder zu Tode stürzen oder sich hoffnungslos verirren.

 

Anbindung an den Unterricht

Die Liste der Vergleichsmöglichkeiten mit anderen, den Schülern bekannten Wesen ist lang, die Eigenschaften und Fähigkeiten der „echten“ Kreaturen aus der Folklore sind ebenso sonderbar und für die Jugendlichen spannend wie die der literarischen Wesen, z. B. des Murtlaps oder des Occamy in „Phantastische Tierwesen“. Besonders geeignet ist ein Blick auf die Fabelwesen nach einer Einheit über prähispanische bzw. indigene lateinamerikanische Kulturen und ihr Erbe oder als isoliertes Unterrichtsthema in Leerlaufphasen vor den Ferien. Auch eine fächerübergreifende Behandlung mit Blick auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu englischer, französischer, deutscher – und je nach Herkunft der Schülerinnen und Schüler auch anderer – Folklore bietet sich an, denn manche Motive (z. B. Drachen, Meermenschen u. Ä.) tauchen immer wieder in verschiedensten Kulturen auf.

 

TV-Tipp

In der Fernsehserie „Grimm“ (FSK 16) sieht der Polizist Nick Burkhardt als Nachfahre der Gebrüder Grimm, was andere nicht sehen: Er erkennt in manchen Mitmenschen Kreaturen, sogenannte „Wesen“, die man aus Märchen und lokaler Folklore kennt. Folgende Episoden basieren auf spanischen oder lateinamerikanischen Legenden oder wurden davon inspiriert:

  • „La Llorona / Fluss der verlorenen Kinder“ (Staffel 2, Ep. 9): basiert auf der Legende von La Llorona (Lateinamerika)
  • „El Cucuy / Höllenhunde“ (Staffel 3, Ep. 5): basiert auf der gleichnamigen spanischen Kreatur
  • „Chupacabra“ (Staffel 4, Ep. 8): basiert auf der gleichnamigen lateinamerikanischen Kreatur
  • „Silence of the Slams / Die Maske“ (Staffel 5, Ep. 13): Das „Wesen“ Vibora Dorada ist angelehnt an Xipe Totec und Quetzalcoatl (Lateinamerika)
  • „El Cuegle / Das dritte Auge“ (Staffel 6, Ep. 4): basiert auf der gleichnamigen kantabrischen Kreatur

 

Weitere „Wesen“, deren Aussehen und Namensgebung von Tieren aus Spanien bzw. Lateinamerika inspiriert wurden:

  • Balam: ein jaguarähnliches Wesen (Balam ist das mayasprachliche Wort für Jaguar) (in Staffel 2, Ep. 9)
  • Coyotl (in Staffel 2, Ep. 3)
  • Murciélago (in Staffel 1, Ep. 20)
  • Yaguaraté (in Staffel 3, Ep. 10)

 

Da die Serie erst ab 16 Jahren freigegeben ist und die Mordfälle mitunter recht brutal sind, ist diese Liste als Tipp für Sie als Lehrkraft zu verstehen, nicht als Veranschaulichungsmaterial für Ihre Schüler. Kennen Ihre Schüler die Serie, lässt sich natürlich darauf Bezug nehmen.

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