Nominierung für den Nachhaltigkeitspreis 2019Schüleraustausch und Umweltschutz: Globales Lernen in Köln und Corinto/Nicaragua

Im Oktober wurde die Städtepartnerschaft Köln – Corinto/Nicaragua für den Nachhaltigkeitspreis 2019 nominiert. Darüber freuen sich besonders die vielen Schüler, die seit Jahren an Austauschprojekten beteiligt sind. Zurzeit engagieren sie sich in gemeinsamen Zirkusprojekten und im Mangrovenschutz.

Austauschschüler pflanzen Setzlinge in Nicaragua

Austauschschüler pflanzen Setzlinge in Nicaragua. Foto: Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln - Corinto/El Realejo e.V.

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Städtepartnerschaft Köln-Corinto/El Realejo in Nicaragua nominiert für den Nachhaltigkeitspreis 2019!

Diese Nachricht vom 25. Oktober 2018 löste beim Vorstand und allen Mitgliedern des Partnerschaftsvereins zunächst ungläubiges Staunen und dann großen Jubel aus, insbesondere aber bei den vielen Schülerinnen und Schülern, die seit Jahren im Rahmen des Vereins Schulpartnerschaften mit Schulen und Jugendeinrichtungen in Corinto unterhalten.

Denn neben den großen Projekten wie z.B. das Frauenhaus, die Autowerkstatt, die Unterstützung des Krankenhauses, der Küstenschutz etc. sind  es die Schulpartnerschaften und der intensive und seit über 30 Jahren währende Jugendaustausch, die zur Nominierung beigetragen haben. Darauf wird in der Begründung der Nominierung durch die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. ausdrücklich hingewiesen. Der Austausch ist seit 2012 durch die Agenda 2030 und den Schwerpunkt Klimapartnerschaften geprägt. Mehr Informationen auf der Website der Städtepartnerschaft.

Leider war nun die Städtepartnerschaft Köln-Corinto/El Realejo nicht unter den Preisträgern. Aber die Nominierung an sich gilt bereits als eine große Auszeichnung.

 

Schulzirkus Radelito: Artistik und Sketche

Zurzeit engagieren sich Jugendliche des Schulzirkus Radelito der Willy Brandt-Gesamtschule in Köln-Höhenhaus in gemeinsamen Zirkusprojekten mit Jugendlichen aus Corinto. Bei regelmäßen gegenseitigen Besuchen von wechselnden Gruppe studieren sie artistische Nummern ein, die zur Aufführung kommen. Neben dem sprachlichen und ganz persönlichen Austausch erfahren die Jugendlichen in Corinto und Köln über die Körpersprache, was Verlässlichkeit und Vertrauen bedeuten, ohne die z.B. ein Menschenturm nicht gebaut werden kann. Zudem wachsen Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit.

Die jungen Artisten des Schulzirkus Radelito erarbeiten beim jeweiligen Austausch neben zirzensischen Nummern z.B. Clownsszenen zusammen mit den Jugendlichen aus Corinto, in denen auf komische, aber deshalb nicht weniger ernsthafte Weise für den Erhalt der Natur geworben wird. Das kommt bei allen gut an!

 

Europaschule Kerpen: Mangrovenschutz im Schulcurriculum

Die Lernenden der Europaschule Kerpen haben sich im Küsten- und insbesondere Mangrovenschutz engagiert. Nachdem Studierende der Uni Köln mit dem selbst erarbeiteten spanischsprachigen Material „Protege tu mangle“ (s. u.) die Menschen in Corinto für die Wichtigkeit des Erhalts der Mangroven sensibilisiert hatten, haben Schülerinnen und Schüler aus Köln und Kerpen zusammen mit ihren Partnerinnen und Partnern vor Ort ungeachtet der zahlreichen Mückenstiche in dem sumpfigen Gebiet hunderte von Setzlingen in den Schlamm gepflanzt, um die Wiederaufforstung systematisch zu betreiben und nachhaltigen Schutz vor Überflutung zu gewähren. Das Thema ist inzwischen – zusammen mit weiterem Material über die Lebensbedingungen der Jugendlichen in Nicaragua – an der Europaschule Kerpen im schulinternen Curriculum des Fachs Spanisch verankert, und zwar unter dem im NRW-Lehrplan vorgesehenen Thema „La pobreza infantil en Latinoamerica“. Darüber hinaus wird an der Schule Mangrovenschutz unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit am Beispiel von Corinto auch in den Fächern Erdkunde und Biologie behandelt. 

 

Alternativen zur Holzfällerei

In Corinto werden die Mangrovenwälder immer noch teilweise abgeholzt, um damit die außerhalb der Wohnbereiche liegenden Kochstellen der Familien zu betreiben. Für die Holzfäller ist dies die einzig mögliche Erwerbsquelle. So lernen die Jugendlichen zugleich, dass Naturschutz nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen gehen sollte. Sie haben mit überlegt, dass bei Reduzierung der Holzfällertätigkeit die arbeitslos werdenden Männer z.B. für die Beseitigung des ständig aus dem vermüllten Meer angeschwemmten Plastiks etc. angestellt werden können, was inzwischen geschieht. Oder dass die Einheimischen die immer häufiger eintreffenden Touristen mit ihren Booten durch die Mangroven fahren könnten.

Abschließend sei festgestellt, dass alle Beteiligten der Meinung sind, dass sie – obwohl nun nicht Preisträger – doch durch ihr Engagement Gewinner sind.

 

Rückblick

Angefangen hat alles in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts während der Revolution gegen das damalige diktatorische Somoza-Regime. In den Anfangsjahren nach dem Sieg der Revolution in Nicaragua im Jahre 1979 haben sich Schülerinnen und Schüler zunächst aus dem Spanischunterricht heraus nur über Briefe miteinander über ihre so unterschiedlichen Lebensbedingungen ausgetauscht und ihre Partnerinnen und Partner auf der anderen Seite des Ozeans im Rahmen der dortigen Alphabetisierungskampagne mit Schulmaterial, Papier, Heften und Stiften unterstützt. Noch bevor der Begriff geprägt war, fand interkulturelles Lernen statt. Viele der beteiligten Schülerinnen und Schüler erkannten und waren betroffen zu erfahren, dass ihre Partner teilweise 2 Stunden Schulweg auf sich nahmen, aber dennoch gern zur Schule gingen – dass sie froh waren, endlich zur Schule gehen zu können, da es ihnen zuvor verwehrt war. Erkenntnisse über das eigene Leben in Sicherheit und Wohlstand waren möglich, eine Relativierung früherer Standpunkte; Unzufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen relativierte sich.

Eine Anekdote aus der Anfangszeit mag beispielhaft verdeutlichen, wie sich Maßstäbe veränderten:
Bei einer Briefsendung aus Corinto befand sich ein Umschlag mit einem kleinen harten Gegenstand. Beim Öffnen im Spanischkurs stellte er sich als Bleistift heraus. Der Absender schrieb, er habe dank unserer Sendung nun bereits zwei Stifte und wollte diesen einem Kind in Köln geben oder zurückgeben, das ohne Stifte wäre.

Der Kurs wurde stumm und eine gewisse Beschämung machte sich breit. Die unterschiedliche Sicht auf den Wert eines Bleistiftes transportierte mehr Erkenntnisse über Bedarf und Überfluss, als die Lehrerin es je mit Worten oder Texten hätte vermitteln können. 

 

Den Flyer „Protege tu mangle“ finden Sie hier: Vorderseite  – Rückseite, mit freundlicher Genehmigung des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln – Corinto/El Realejo e.V.

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