Kämpferinnen für die UnabhängigkeitDie unerwarteten Heldinnen Lateinamerikas

Heute sind sie wenig bekannt, aber es gab sie: Kämpferinnen für die Unabhängigkeit und Freiheit Lateinamerikas. Wer sie waren, was sie taten, und wofür sie stehen, kann im Spanischunterricht thematisiert werden. Hintergrundinformationen und einen möglichen Einstieg in das Thema finden Sie hier.

Mujeres luchadoras por la Independencia: Manuelita Sáenz y La Corregidora

Heldinnen des Unabhängigkeitskrieges: Manuela Sáenz und Josefa la Corregidora. l.: Pedro Durante (1825), r.: Luisalvaz, CC-BY-SA 4.0

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Die Geschichte der Unabhängigkeit Lateinamerikas ist voll von Berichten über Kriege, Siege und Niederlagen, deren Protagonisten in der Regel Männer sind und deren Namen heute in den lateinamerikanischen Städten ganze Straßenzüge zieren. Erst in der jüngeren Geschichtsschreibung ist offengelegt worden, dass im 19. Jahrhundert nicht wenige Frauen eine entscheidende Rolle in den Unabhängigkeitskämpfen gespielt haben.

 

Die Rolle der Frau in der kolonialen Gesellschaft

Dies war für die Zeitgenossen wie auch für uns heute eine ganz erstaunliche Tatsache, war doch die Rolle der Frau in der kolonialen Gesellschaft völlig anders definiert. Nur wenige Frauen hatten überhaupt Zugang zur Bildung, konnten also schreiben und lesen. Wenn sie aber dann durch Privatlehrer oder in Bildungseinrichtungen unterwiesen wurden, so waren das kirchliche Einrichtungen, die darauf ausgelegt waren, die jungen Mädchen zu unterwürfigen Ehefrauen und Müttern zu erziehen.

Erst in der Epoche der Aufklärung wurden in Übersee Bildungsanstalten auch mit dem Gedanken eingerichtet, dass die Frauen, evtl. nach Verlust des Ehemannes bedingt durch die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen, auch lernen müssten, allein für sich und die Kinder zu sorgen. Gebildete Frauen waren aber nach wie vor eine Ausnahme. Und in jedem Fall blieb die Bildung eine elitäre Angelegenheit und stand lediglich der oberen Gesellschaftsschicht, d.h. den criollas, offen, während die aus Mestizen und indígenas bestehende Unterschicht so gut wie keinen Zugang hatte.

 

Frauen in den Unabhängigkeitsbewegungen

Umso erstaunlicher ist daher die Teilnahme von Frauen an den kriegerischen Auseinandersetzungen, ja ihre teilweise als Führungsrolle zu bezeichnende Mitwirkung. Bezeichnend ist aber auch, dass ihr Wirken keine Vorbildfunktion für die Frauen in den lateinamerikanischen Ländern hatte. Im Gegenteil, in dem Augenblick, in dem sie ihre Gönner verlieren, werden sie hart wegen ihres Vorgehens bestraft, ihrer wirtschaftlichen Mittel beraubt, Familie und Freunde wenden sich mit wenigen Ausnahmen ab und sie verbringen ihren Lebensabend in Armut und Anonymität. Während die Namen ihrer männlichen Mitstreiter bald mit Bewunderung genannt werden, wird das Schicksal der Frauen erst durch die jüngere Geschichtsschreibung in Wort und Bild (Filmen) gewürdigt.

 

Zwei ausgewählte Frauenschicksale

Schülerinnen und Schüler können am Beispiel von ausgewählten Frauenschicksalen einen Teil der Geschichte der Unabhängigkeit kennenlernen und der Frage nachgehen, wie diese Frauen in ihrer Epoche und in heutiger Zeit gesehen werden. Sie können darüber hinaus im Sinne des interkulturellen Lernens den Bogen zu ihrer eigenen Wirklichkeit schlagen und reflektieren, wie fern oder nah, wie unterschiedlich oder ähnlich Frauenschicksale heute sind.

Zwei dieser mujeres luchadoras sind Josefa la Corregida und Manuela Saénz:

Josefa la Corregidora (Mexiko)

Josefa Ortiz de Domínguez (1768 – 1829) stammte aus einer kreolischen Familie von Militärs. Sie erhielt im Kloster eine für Töchter der besseren Gesellschaft bestimmte Ausbildung und heiratete 1791 den späteren Corregidor von Santiago de Querétaro Don Miguel Domínguez, den Richter der Stadt. La Corregidora widmete sich zunächst den häuslichen Aufgaben und der Erziehung ihrer vierzehn Kinder. In ihrem Haus fanden literarische Zirkel statt, in denen aufklärerische Ideen verbreitet wurden. Diese Treffen wurden zu Versammlungen liberaler Kreolen, die sich gegen die Vorherrschaft der Spanier vom Mutterland und deren Willkür wehren wollten. Auch die Corregidora hing diesen Gedanken an. Ihr wird zugeschrieben, die Verschwörer rechtzeitig vor der Entdeckung gewarnt und damit am 16. September 1810 den „Grito de Dolores“ durch den Geistlichen Padre Hidalgo ermöglicht zu haben. Dies war der Beginn des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges.

 

Manuelita – la Libertadora del Libertador (Ecuador/Peru/Kolumbien/Venezuela …)

Manuela Saénz (1797 – 1856) wird als die erste Feministin des amerikanischen Kontinents angesehen und als eine bedeutende Kämpferin für die Befreiung Südamerikas.

Der venezolanische Historiker Denzil Romero nennt sie die vielleicht wichtigste Frau in der Geschichte Lateinamerikas und sagt, dass sie sogar mehr politischen Einfluss gehabt habe als Evita Perón. Barbara Potthast (Von Müttern und Machos. Eine Geschichte der Frauen Lateinamerikas, Wuppertal 2003) nennt Manuela die „ungeliebte Heldin“. Sie ist die vielleicht bekannteste, wenngleich umstrittenste Frau der Unabhängigkeitsbewegung Hispanoamerikas, die langjährige Geliebte von Simón Bolívar, dem Libertador des nördlichen Südamerika. Sie war mit einem Engländer verheiratet, den sie jedoch verließ, um mit Simón Bolívar zusammenzuleben. „In ihrem Leben kommen die verschiedenen weiblichen Rollen der Unabhängigkeitsbewegung zusammen: sie war die makellose Heldin, die als unterstützende und liebende Frau Bolívar mehrfach das Leben rettete. Zugleich war sie die Anti-Heldin, die Grenzen und Rollen missachtete, als ‚Amazone‘ mit dem Heer mitzog und sogar militärische Ehren erlangte. Sie war aber auch die politisch denkende und handelnde Partnerin, deren Taten nicht immer die Billigung Bolívars fanden.“ (Potthast 2003, 192)

Als Simón Bolívar 1830 starb, musste Manuela mehrfach Repressalien seiner und ihrer politischen Gegner erdulden. Manuela wurde ins Exil gedrängt. Sie verbrachte den Rest ihres Lebens in einer kleinen Hafenstadt im Norden Perus, wo sie recht ärmlich vom Verkauf selbst gemachter Süßwaren und Zigarren lebte.

 

Weitere Kämpferinnen für die Unabhängigkeit

Weitere luchadoras bzw. heroínas de la independencia, auf die sich ein Blick im Spanischunterricht lohnt, sind:

  • María Remedios del Valle (ca. 1768 – 1847) (Argentinien)
  • Juana Azurduy de Padilla (1780/1 – 1862) (Bolivien)
  • Javiera Carrera (1781 – 1862) (Chile)
  • Policarpa Salavarrieta (1795 – 1817), „la Pola“ (Kolumbien)
  • María Parado de Bellido (1777 – 1822) (Peru)
  • Francisca Zubiaga y Bernales (1803 – 1835), „la Mariscala“ (Peru)
  • Josefa Joaquina Sánchez (1765 – 1813), „la Bordadora de la primera Bandera de Venezuela“  (Venezuela)
  • Juana Ramírez (1790 – 1856), „la Avanzadora“ (Venezuela)

 

Die Unabhängigkeitsbewegung im Spanischunterricht

Ein Einstieg in das Thema könnte über folgende Fragen und Arbeitsaufträge stattfinden:

Erster Schritt: „La independencia“

  1. ¿Qué asocias tú con la palabra «independencia»? ¿Qué significa para cada uno de vosotros?
  2. Si piensas en política, ¿que fechas históricas o de la época relacionas con este término? ¿Qué sabes de la independencia de los países latinoamericanos?
  3. ¿Qué ideas filosóficas tienen que ver con esta palabra?
  4. ¿Quiénes son, en tu opinión, casi siempre los protagonistas de los movimientos independentistas y cuáles son las causas?
  5. ¿Conoces el nombre de personas concretas relacionadas con esta palabra? ¿Quiénes son y qué han hecho?
  6. Verifica a qué género pertenecen los nombres. Si son, sobre todo, nombres de varones, reflexiona por qué será.

 

Zweiter Schritt: Eine Protagonistin

  1. Mira el billete de 5 pesos. ¿De dónde es? ¿Qué y a quién ves en el billete?
  2. ¿Qué impresión te da la mujer retratada? ¿Simpática? ¿Antipática? ¿Por qué?
  3. Formula una hipótesis de por qué esta mujer se merece estar retratada aquí.
  4. Inventa su biografía.

 

Den vollständigen Unterrichtsvorschlag finden Sie in FUS 29, „Independencia“. 

 

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