Weihnachtsfiguren neben Papá Noel und den Reyes MagosDie etwas anderen Weihnachtstraditionen

Alle Jahre wieder kommt… wer denn? Wussten Sie, dass in Asturien der Anguleru, der Aalfischer, Geschenke bringt oder dass der baskische Olentzero sowohl ein Gabenbringer als auch ein Kinderschreck ist? Verschiedene lokale Weihnachtstraditionen Spaniens (und der Dominikanischen Republik) stellen wir Ihnen hier vor.

Tió de Nadal

Tiós de Nadal auf einem katalanischen Weihnachtsmarkt. Foto: Joan Cuevas, CC-BY-SA

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Die „normalen“ Weihnachtstraditionen aus Spanien und Lateinamerika sind uns allen geläufig und auch den Schülern oft spätestens nach Weihnachten im ersten Lernjahr bekannt. Neben dem Krippenspiel, dem Essen mit der Familie, Papá Noel und den Reyes Magos gibt es aber auch weniger bekannte lokale Bräuche und Weihnachtscharaktere.

 

L’Anguleru (Asturien)

Ein ganz junger Weihnachtscharakter ist der asturische Anguleru („Aalfischer“), der 2008 vom Kulturverein „Garabuxada“ erfunden wurde. Er verbringt das Jahr in der Sargassosee (einem Meeresgebiet im Atlantik, östlich von Florida) und reist an Weihnachten per Boot über den Fluss Nalón nach Asturien, wo ihn Kinder mit Laternen und Lampions begrüßen. Braven Kindern bringt er an Heiligabend Geschenke.

Diese „Frequently Asked Questions“-Seite zum Anguleru bietet sich auch für die Verwendung im Unterricht an, um die Schülerinnen und Schüler selbstständig in Kontakt mit der asturischen Sprache kommen zu lassen.

 

Las Anjanas (Kantabrien)

Kleine Feen, die Anjanas, bringen Kindern in Kantabrien am Morgen des 6. Januar Geschenke – allerdings nur alle vier Jahre und hauptsächlich Kindern ärmerer Familien.

 

L‘Apalpador (Galicien)

Ein Köhler, der Apalpador oder Pandigueiro, beschenkt Kinder in Galicien mit Kastanien – und natürlich anderen Geschenken –, aber nur, wenn sie das Jahr über brav waren und gut gegessen haben. Um das herauszufinden, berührt er ihren Bauch (vgl. palpar). Für das nächste Jahr wünscht er ihnen Glück und gutes Essen.

 

Caganer und Caga tió / Tió de Nadal (Katalonien)

Eine eher ungewöhnliche Figur im Kreis der Weihnachtscharaktere ist der katalanische „Caganer“, eine Krippenfigur, die mit heruntergezogener Hose, nacktem Hintern und in Sitzhaltung als Glücksbringer dient. Traditionell trägt der Caganer typische Bauernkleidung, stellt aber heute oft auch berühmte Persönlichkeiten, v.a. Politiker dar.

In einer anderen Tradition wird der „Caga tió“ (bekannt auch als Tió de Nadal), ein alter Baumstamm, an Weihnachten von Kindern mit Stöcken geschlagen. Zwischen dem 8. Dezember und Weihnachten füttern die Kinder ihn mit Obst und Äpfeln, er wird mit einer Decke umwickelt, die an Heiligabend dann abgedeckt wird – es kommen kleine Geschenke zum Vorschein, die die Eltern dort versteckt haben.

Ursprünglich wurde der Tió de Nadal zur Hälfte ins Feuer gelegt; aus der anderen Hälfte des hohlen Baumstammes fielen dann die Geschenke.

 

Fia-Faia (Katalonien)

Am 24. Dezember wird in Bagà und Sant Julià de Cerdanyola in Katalonien das Fest Fia-Faia gefeiert. Dabei werden bei Sonnenuntergang in den Bergen Fackeln (faies) angezündet und in die Dörfer gebracht, wo das Feuer auf weitere Fackeln übertragen wird. Dabei psalmodieren die Feiernden „Fia-faia, que nostro senyor ha nascut a la paia. / Fia-faia, que nuestro Señor ha nacido entre paja“. Die Tradition geht wohl auf vorchristliche Feiern zur Wintersonnenwende zurück.

 

Olentzero (Baskenland)

Im Baskenland bringt der Olentzero den Kindern in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember Geschenke.

Einer Legende nach wurde er selbst als Kind ausgesetzt und von einer Fee gefunden, die ihm als Geschenke Stärke und Güte mit auf den Weg gab. Er wurde zu einem Köhler, der den Kindern seines Dorfes selbstgefertigte Holzspielzeuge schenkte. Nach seinem Tod verlieh die Fee ihm ewiges Leben, damit er weiter Geschenke und Freude bringen konnte.

Verschiedene Bräuche im Baskenland beinhalten den Olentzero als Kinderschreck, um Kinder dazu zu bringen, brav zu sein: Wenn die Kinder in Areso früh nach Hause kommen sollen, verkleidet sich ein Erwachsener als Olentzero und jagt den Kindern, die noch nicht zu Hause sind, mit einer Sichel Angst ein. In Dima wird ein Stroh-Olentzero mit einer Sichel an den Kirchturm gehängt, um Kindern, die nicht brav waren, Angst einzujagen – der damit zusammenhängende Spruch erinnert an die bestrafenden Figuren Knecht Ruprecht und Krampus: „Onontzaro begi-gorri txaminira da etorri, austen baldin badegu barua, orrek lepoa kendu guri / Onontzaro (de) ojos rojos – ha venido a la chimenea; – si quebrantamos el ayuno – ése nos quita el pescuezo“.

 

Tientapanza (Andalusien)

Wie der Apalpador in Kantabrien streicht auch der Tientapanzas in der Stadt Écija in Andalusien Kindern über den Bauch, während sie schlafen, und überprüft, ob sie gut gegessen haben. Er kommt entweder zu Weihnachten oder an Silvester und hinterlässt hin und wieder Geschenke. Dieser Weihnachtscharakter wurde 2004 wieder aus der Vergessenheit geholt.

 

La Vieja Belén (Dominikanische Republik)

Die Vieja Belén ist in der Dominikanischen Republik Hoffnung für die Kinder, die an den traditionellen Geschenktagen (an Weihnachten oder am 6. Januar) keine Geschenke bekamen, z.B. weil sie und/oder die Eltern an diesen Tagen nicht zu Hause waren. In der Regel am Sonntag nach dem 6. Januar oder am 13. Januar bringt die gute Hexe, die an die Tradition der italienischen Befana angelehnt ist, den Kindern doch noch ihre Geschenke.

 

La Vieya'l Monte (Asturien)

Traditionell gab die alte Frau Hirten etwas zu essen für die Kinder mit auf den Weg, wenn sie ihr in den Bergen begegneten. 2014 wurde sie als lokale Alternative für die typischen Weihnachtsfiguren auch als weihnachtliche Gabenbringerin ins Gespräch gebracht und fand in den letzten Jahren Verbreitung.

 

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