Interview mit einer jungen SpanischlehrerinDifferenzierung im Spanischunterricht

Wie geht man mit dem Auftrag um, im Spanischunterricht zu differenzieren? Wie kann Differenzierung methodisch umgesetzt werden? Und welche Fördermaßnahmen sind sinnvoll – für schwächere und für stärkere Schülerinnen und Schüler? Ein Interview mit einer jungen Spanischlehrerin und Fragen zur Reflexion.

Unterschiedliche Charaktere = unterschiedliche Bedürfnisse

Unterschiedliche Stärken und Schwächen = unterschiedliche Bedürfnisse. Aber wie viel Differenzierung ist überhaupt möglich?

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Interview

Wie gehen Sie mit dem Auftrag um, im Spanischunterricht zu differenzieren?

„Zunächst verschaffe ich mir einen Überblick über die Stärken und Schwächen meiner einzelnen Schülerinnen und Schüler (im Hinblick auf freies Sprechen, Vokabelarbeit, Grammatikkenntnisse, Textproduktion etc.) und prüfe diesen Eindruck regelmäßig kritisch. Anhand meiner Einschätzungen (von Unterrichtsbeiträgen, Präsentationen, Klausuren, Tests, Vokabelüberprüfungen) stelle ich die Aufgaben/den Unterricht inhaltlich, zeitlich beziehungsweise methodisch auf die Schülerinnen und Schüler ein. Ich differenziere zeitlich, inhaltlich und methodisch. Zeitlich, indem ich zusätzliche Aufgaben für die Schnelleren vorhalte und sie Lerntempoduetts bilden lasse; inhaltlich, indem verschiedene Produkte erstellt werden, zum Beispiel verschiedene Texte zu einem Thema mit differenzierten Schwierigkeitsgraden; methodisch durch Gruppenarbeit und Partnerarbeit bei heterogener Zusammensetzung.“
 

Wie kann Differenzierung methodisch umgesetzt werden?

„Meist stelle ich eine oder einige Aufgaben für die schnelleren Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Gruppen- oder Projektarbeiten gestalte ich so, dass sprachlich schwächere und stärkere Schülerinnen und Schüler in einer Gruppe zusammenarbeiten, sodass die Aufgabe sprachlich gelöst werden kann, da sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig mit ihren Ideen und Sprachkompetenzen unterstützen können.“
 

Wie setzen Sie Differenzierung auf der Ebene des Unterrichtsmaterials um?

„Beim Stationenlernen oder bei der Lerntheke stelle ich den Schülerinnen und Schülern beispielsweise Texte mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen zur Verfügung, die aber das gleiche Thema behandeln. Außerdem erhalten die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Möglichkeiten der Produkterstellung, das heißt, sie können als Ergebnis ihrer Arbeit ein Gedicht, ein Plakat oder einen inneren Monolog schreiben.“
 

Welche konkreten Unterstützungs- oder Fördermaßnahmen setzen Sie für schwächere oder gerade auch leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler regelmäßig ein?

„Nach einer Klausur führen wir eine Fehleranalyse durch. Wir besprechen dann oder ich empfehle Schwerpunkte, die vom einzelnen Lernenden in Zukunft geübt werden müssten. Eine Idee ist es, best-practice-Beispiele an schwächere Schülerinnen und Schüler zur Orientierung weiterzureichen oder diese vorstellen zu lassen (mit Einverständnis der jeweiligen starken Schülerinnen und Schüler). Ich bilde auch heterogene Tandems in den Gruppen- und Partnerarbeitsphasen, da so die Schwächeren gefördert werden. Lernende erklären anderen Lernenden den Stoff oft schülerverständlicher. Von diesen heterogenen Gruppen profitieren aber auch die Stärkeren, da sie ihr Sprachwissen durch das Erklären vertiefen. Wir sammeln außerdem gern Tipps zur Vokabelarbeit, ich führe Lerntypentests durch und die Lernenden tauschen sich über ihre Lernerfahrungen aus.“
 

In welchen Phasen im Unterricht ist Differenzierung eigentlich möglich oder gerade schwierig?

„Differenzierung ist gut in der Erarbeitungsphase möglich, da hier verschiedene Produkte erstellt werden können. Anhand verschiedener Materialien und verschiedener Aufgabenschwerpunkte kann auch zeitlich leichter differenziert werden. Bei der Leistungsüberprüfung und bei Klausuren ist Differenzierung ebenfalls möglich. Ich stelle Aufgaben, die von schwachen und starken Schülerinnen und Schülern bewältigt werden können.“
 

Welche Angebote bietet Ihr Lehrwerk zur Differenzierung?

„Mein Lehrwerk bietet verschiedene Lerntipps und unterstützt bei der Erarbeitung von Arbeitstechniken (Lernen lernen). In den Materialien sind Vorschläge für die Leistungsüberprüfung für schwächere und stärkere Gruppen entsprechend gekennzeichnet.“
 

Wo sind die Grenzen von Differenzierung im Unterricht?

„Die Erstellung von Material und das Suchen nach geeigneten Texten ist ein sehr arbeitsintensives Unterfangen. Gerade in fortgeschrittenen Kursen ist es schwierig, Differenzierung zu gewährleisten.“

 

 

Fragen zur Reflexion

  • Wie ermitteln Sie die individuellen Stärken und Schwächen Ihrer Schülerinnen und Schüler?
  • Mit welchen Methoden reagieren Sie darauf, wenn Schülerinnen und Schüler für die gleiche Aufgabe unterschiedlich viel Bearbeitungszeit benötigen? Wie berücksichtigen Sie dies in der Unterrichtsplanung?
  • Wie kann sich aus Ihrer Sicht die Arbeit von schwächeren oder stärkeren Schülerinnen und Schülern oder Lernenden mit unterschiedlichen Lernzugängen oder Interessen kooperativ ergänzen?
  • In welchen Unterrichtsphasen differenzieren Sie häufig? Überlegen Sie, welche Möglichkeiten Sie hätten, in weiteren Phasen differenziert zu arbeiten.

 

 

Dieses Interview und die Fragen zur Reflexion sind zuerst in folgendem Fachbuch erschienen:
„Vielfalt gestalten: Differenzierung im Spanischunterricht. Eine Selbststudieneinheit“, herausgegeben von Andreas Grünewald/Ulrich Krämer, 2014, S. 45f. (2. Aufl. 2018)

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