Zehn mündliche KorrekturtechnikenMündlich(e) Fehler korrigieren

Auf das Korrigieren von Fehlern darf nicht verzichtet werden – aus Fehlern lernen die Schülerinnen und Schüler. Aber die Korrektur muss klar und an die jeweilige Unterrichtsphase angepasst sein und die Lernenden ermutigen. Diese zehn Korrekturtechniken können Ihnen dabei helfen.

Der „Handwerkskoffer“ hält Korrekturinstrumente für unterschiedliche Unterrichtssituationen bereit.

Der „Handwerkskoffer“ hält Korrekturinstrumente für unterschiedliche Unterrichtssituationen bereit. Juris Kraulis / Shutterstock.com

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„Aus Fehlern lernen“ – die Weisheit dieses alten Sprichworts leuchtet auch durch den Fremdsprachenunterricht. Unsere Erfahrungen in der Praxis zeigen deutlich, dass ein effizienter Sprachunterricht nicht auf die Fehlerkorrektur verzichten kann. Wir erleben in jeder Spanischstunde, wie eine klare und ermutigende Korrektur auch das Sprachbewusstsein der Lernenden fördert.

Dabei ist wichtig, dass ein positives Lernklima herrscht: Fehler sollten als natürlicher Bestandteil des Sprachenlernens und als Chance zur Verbesserung gesehen werden. Gleichzeitig müssen wir erkennen, in welchen Situationen mündliche Fehlerkorrektur angebracht ist, und in welchen sie eher die Kommunikation abwürgen würde als sie zu fördern. Wir brauchen also einen bewussten und differenzierten Umgang mit unterschiedlichen Korrekturtechniken, um dem jeweiligen Kommunikationsbedarf und auch den verschiedenen Lernertypen gerecht zu werden.

 

Der folgende „Handwerkskoffer“ mit Korrekturtechniken ist aus vielen Momenten des fremdsprachlichen Unterrichtsalltags entstanden, in denen eine solche mündliche Korrektur stattfand:

 

1. „Escucha – Repite“  

Die unmittelbare und wohl direkteste Art der Korrektur: Nachdem die „falsche“ Form vernommen wurde, wird die richtige Struktur vorgegeben. Wichtig ist dabei, dass eine Wiederholung der richtigen Fassung eingefordert wird – das bestätigende Nicken des Lernenden sollte uns hier nicht genügen.
(Ist ja hübsch, wenn wir das können, und es ist auch nett, wenn mein Schüler das bewundernd anerkennt – aber: Er / sie soll es sprachlich tun!)

 

2. Fragezeichen in den Augen

Das bisher Korrekte wiederholen, dann bei der eben gehörten „falschen Stelle“ innehalten und mit weit geöffneten Augen fragend gucken: siento – sientes – siente – sent…?

 

3. Klanglich unterstreichen

Die Nachfrage wird akustisch so untermalt, dass das System hervorgehoben wird. Auf diese Weise können Analogien erkannt werden – und die richtige Form wird abgeleitet.
(LAS blusAS son blanc …?)

 

4. Missverständlichkeit verdeutlichen

Den Kontext erläutern und dadurch den Inhalt des Gesagten auf der semantischen Ebene hervorheben.
(¿Trabajo?… ¿Tú, ahora, en este momento? ¡Ah, no! Pablo lo hizo ayer: ¡Trabajó!)

 

5. Metaebene einziehen 

Zuweilen ist es sinnvoll, auf die Ebene der Sprachbewusstheit zu gehen und einen Hinweis zur Struktur zu geben. Damit kann langwieriges und verunsicherndes Rätselraten vermieden werden.
(Lo que has dicho debe formularse en subjuntivo. ¿Cómo sería la forma del verbo?)

 

6. Hilfe aus dem Plenum holen

Im Moment des sprachlichen Beitrags schnellt beim Lernenden das Adrenalin nach oben, oft lässt der Stress keinen klaren Gedanken mehr zu. Da bringt es wenig, penetrant auf die berichtigte Fassung zu warten. Hier werden besser die anderen Kursteilnehmer einbezogen: „¿Quién puede ayudar?“   

 

7. Die Ohren spitzen

Die Aufmerksamkeit auf die Aussprache zu richten, wirkt vordergründig evtl. retardierend, ist jedoch im Sinne des sprachbewussten Lernens unverzichtbar. Das Training der korrekten Aussprache braucht seinen Raum: „Ahora dilo otra vez, esta vez con todas las erres.“

 

8. Rückübersetzen

Manchmal begegnen uns Beiträge, die schlichtweg unverständlich sind: „En México, la gente come muy oveja.“ Da bleibt nur der Weg über die Sprachmittlung, um an die eigentlich beabsichtigte Vokabel zu gelangen: „¿Qué quieres decir?“ – Das Rätsel löste sich, als die Schülerin zu mir sagte, sie habe es im Wörterbuch nachgeschlagen: „In Mexiko essen die Leute sehr schaf.“

 

9. „Mit Händen und Füßen“

Ritualisierte Gesten tragen dazu bei, den Unterricht im Fluss zu halten. Sie enthalten nonverbale Impulse und Aufforderungen, die von den Lernern sofort dekodiert werden: auf das Ohr tippen, auf das Auge oder auf die Zungensitze zeigen, Handbewegung für „repite“, verkniffener Blick für „piensa otra vez“ – leuchtende Augen und strahlendes Lächeln bei Lernerfolgen.

 

10. Verstärken

Schülerbeiträge verdienen differenzierte Rückmeldungen, sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der sprachlichen Ebene. Im Hinblick auf die Einsprachigkeit müssen wir vor allem in sprachbeginnenden Kursen die Rückmeldungen sehr bewusst gestalten und einsetzen, damit sie im Unterrichtsduktus effizient wirken. Verstärkungen sollen sprachlich greifbar sein, für den Sprecher und auch für den Hörer. Das heißt, wir müssen sie vorformulieren. Deshalb ist in einem Seitenfach meines Handwerkskoffers auch ein ganzer Satz Verstärkungen untergebracht:

Positiv: 

Muy bien // Excelente // Sí, correcto // Esto suena muy bien // ¡Wow, qué palabra más difícil! // Has dicho algo muy interesante // Lo que mencionas es verdaderamente importante.

„Negativ” – aber mit konstruktivem Tonfall: 

¿Lo puedes decir otra vez, por favor? // Piensa un momento, ya mismo te toca otra vez // No, esto no es correcto; utiliza otro verbo, porque «realizar» no significa «bemerken» // Uy, esto es «malloaka-spanisch» – a ver, ahora en «español español».

Mit einem Umweg durch das Plenum: 

Ein besonderer Beitrag kann durch eine Ehrenrunde im Plenum gewürdigt werden. Dabei kann der Fokus auf der Sprache liegen: „¿Has escuchado lo que ha dicho Hannes? – Dilo tú otra vez, por favor.” Oder der Fokus liegt auf dem Inhalt: „¿Estás de acuerdo con lo que ha dicho Hannes? … ¿Puedes repetir su posición y después formular tu propia opinión, por favor?”

 

 

Dieser Post ist einen Ausschnitt aus dem Beitrag „Mündlich(e) Fehler korrigieren“ im Heft FUS 63, Standardsituationen. Im Beitrag werden auch sechs „No-Gos“ der Fehlerkorrektur genannt und die möglichen Korrekturtechniken verschiedenen Unterrichtssituationen zugeordnet, von falscher Aussprache über Hausaufgabenkontrolle bis zum Rollenspiel/Meinungsaustausch.

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