Das öffnende Frage- und Ausrufezeichen im Spanischen„Das steht ja kopf!“

Das Spanische ist die weltweit einzige Sprache mit doppeltem Frage- und Ausrufezeichen. Doch auch im Spanischen gab es das umgedrehte Zeichen am Satzanfang nicht immer.

Seit wann gibt es die umgedrehten Satzzeichen im Spanischen – und muss man sie immer setzen?

Seit wann gibt es die umgedrehten Satzzeichen im Spanischen – und muss man sie immer setzen? Bild: TheDigitalArtist

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Das Fragezeichen

Eingeführt wurde das Fragezeichen am Satzanfang in der zweiten Ausgabe der „Ortografía de la lengua castellana“ der Real Academia de la Lengua, die 1754 erschien.

„Por lo tocante a la nota de interrogación se tuvo presente que, además del uso que tiene en fin de oración, hay periodos o cláusulas largas en que no basta la nota que se pone al fin y es necesario desde el principio indicar el sentido y tono interrogante con que debe leerse, por lo que la Academia acuerda que, en estos casos, se use la misma nota interrogante poniéndola tendida sobre la primera voz de la cláusula o periodo con lo que se evitará la confusión y aclarará el sentido y tono que corresponde. Y aunque esto es novedad, ha creído la Academia no debe excusarla siendo necesaria y conveniente.“ (Auszug aus einem Sitzungsprotokoll)

Die Regelung betraf zunächst nur lange Sätze – doch was ein langer und was ein kurzer Satz war, war jedem selbst überlassen. 1870 konkretisierte die Real Academia die Zeichensetzungsregel und legte fest, was auch heute noch gilt: Am Anfang eines jeden Fragesatzes – unabhängig von seiner Länge – muss ein öffnendes Fragezeichen stehen. Der Anfang des Fragesatzes ist dabei nicht unbedingt identisch mit dem Satzanfang („Miguel, ¿has decidido qué vas a hacer?“). Gleiches gilt auch für das Ausrufezeichen.

 

Das Ausrufezeichen

Das öffnende Ausrufezeichen wurde erstmals in der Ausgabe von 1770 vorgeschrieben. Dort heißt es: „Esta misma nota de algún tiempo á esta parte se acostumbra poner inversa así (¡) antes de la voz en que comienza este sentido y tono, quando los periodos son largos.“

Bis 2014 wurde das Zeichen im Diccionario de la Real Academiaübrigens als „signo de admiración“ geführt, erst seitdem als „signo de exclamación“.

 

In zwei Fällen reicht allerdings das schließende Frage- bzw. Ausrufezeichen:

  • um in einem Text Zweifel oder Ironie anzuzeigen: Tendría gracia (?) que hubiera perdido las llaves.; Ha terminado los estudios con treinta años y está tan orgulloso (!).
  • um z.B. in einem wissenschaftlichen Artikel unsichere Jahreszahlen zu kennzeichnen: Hernández, Gregorio (1576? – 1636). Empfohlen wird jedoch auch in diesem Fall die Verwendung beider Zeichen empfohlen: Hernández, Gregorio (¿1576? – 1636).

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