6. – 13. Schuljahr

Markus Steinhoff

Hablar es actuar nonverbale Ausdrucksmittel fördern

Sprache bedeutet nicht nur Sprechen. Gestik und Mimik gehört ebenso dazu wie stimmliche Modulation. In diesem Beitrag werden fünf Kurzübungen vorgestellt, die als calentamientos, Lückenfüller oder weiterführende Aktivitäten zur Mündlichkeit diese Aspekte von Sprache fördern können.

Der in der muttersprachlichen Praxis völlig selbstverständlich wirkende Einsatz gestischer, mimischer und stimmlicher Ausdrucksmittel ist im Fremdsprachenunterricht nur selten zu beobachten: Das Augenmerk von Lehrenden wie Lernenden scheint dort meist auf der Einhaltung der lexikalischen, grammatischen und phonetischen Norm zu liegen. Sei es beim Vorlesen von Texten, bei spontanen Beiträgen, bei einstudierten Lehrbuchdialogen oder Referaten: Gestische, mimische, stimmliche und raumsprachliche Mittel bleiben oft unbeachtet.
Die fünf nachfolgend vorgestellten, mit einem Zeitbudget von jeweils max. 10 Minuten und ohne großen organisatorischen Aufwand realisierbaren Unterrichtsideen stellen Vorschläge zur Förderung der nonverbalen Ausdrucksmittel dar. Als theaterpraktische Methoden zielen sie darauf ab, den verbalen Ausdruck mit körperlicher Aktivität zu koppeln und dessen affektive Dimension zu stärken. Die Fixierung auf einen rein kognitiven, v.a. auf Fehlervermeidung konzentrierten Sprechakt soll so aufgebrochen, das Bewusstsein für die Bedeutung nonverbaler Ausdrucksmittel geschärft, Sprechhemmungen reduziert – und neue Freude an mündlicher Kommunikation vermittelt werden.
Die vorgeschlagenen Übungen eignen sich als calentamientos, Lückenfüller oder können weiterführende Aktivitäten zur Mündlichkeit, z.T. auch im Rahmen der Lehrwerksarbeit, sinnvoll vorbereiten oder ergänzen.
Despertar respiración y articulación
Dass die Schülerinnen und Schüler beim Sprechen meist sitzen, erschwert eine freie, organische Atmung. Diese ist jedoch Bedingung für eine optimale Entfaltung der Stimme. Ziel der nachfolgenden Übung, die ab dem 1. Lernjahr eingesetzt werden kann, ist zunächst eine Sensibilisierung für diesen Zusammenhang. Im weiteren Verlauf wird sie zum calentamiento des Artikulations- und Stimmapparates. Sie setzt voraus, dass die Jugendlichen Bereitschaft mitbringen, sich auf die eigene Körperwahrnehmung zu konzentrieren.
Die Schüler stehen in einem Kreis oder Halbkreis und nehmen einem stabilen, etwa schulterbreiten Stand mit einer halben Armlänge Abstand zum Nachbarn ein. Der Körper ist aufgerichtet, ähnlich einer Marionette, die am Kopf mit einem Faden an der Zimmerdecke aufgehängt ist. Die Arme hängen locker seitlich am Körper herunter. Bei geschlossenen Augen konzentrieren sich alle auf einen regelmäßig und ruhig fließenden Atem. Nachdem Ruhe eingekehrt ist, dürfen die Schüler die Augen wieder öffnen. Die Lehrkraft initiiert nun eine kurze Phase kollektiven Gähnens, wodurch sich der Atem- und Artikulationsraum weitet. Dann massieren alle kurz das eigene Gesicht, um die ca. 25 verschiedenen Gesichtsmuskeln zu aktivieren, die an der Artikulation der Sprachlaute beteiligt sind. Anschließend, paarweise zugewandt, gehen die Schüler in ein möglichst wildes Grimassieren über, auch in Verbindung mit „Monster-Lauten. Zur Aktivierung der Stimme ziehen die Schüler abschließend – wieder in schulterbreitem Stand in körperlicher Aufrichtung im Kreis stehend – einen Pfeil aus einem imaginären Köcher auf ihrem Rücken und führen diesen langsam halbkreisförmig nach vorne, bis neben ihren rechten Fuß. Dazu sagen sie, auf einen Atemzug, kontinuierlich vom höchstmöglichen zum tiefstmöglichen Ton absinkend, die Wortfolge „Mona Lisa – limusina – limonada. Dieser Vorgang wird ein paar Mal wiederholt. So wird die Stimme über die gesamte Frequenzbreite aktiviert, der Artikulationsraum geweitet und die Atemökonomie geschult.
Te regalo una
Ziel dieser ebenfalls ab dem 1. Lernjahr einsetzbaren Übung ist es, eine (stärkere) Verbindung zwischen (Aus)sprache und...

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