5. – 13. Schuljahr

Ursula Vences

„Kein Brot für die Welt?

Das Thema „Ernährung im Rahmen des Globalen Lernens im Spanischunterricht

Nachhaltigkeit ist im Rahmen der Nahrungsmittelerzeugung das Konzept der Zukunft. Es gilt, schon junge Menschen für die Auswirkungen von Globalisierung und den Kontrast zwischen der Welt der Verbraucher und der der Erzeuger zu sensibilisieren. Ziel ist es, ihnen einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln nahezubringen und sie so zum Engagement zum Erhalt der Umwelt zu motivieren.

Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral (Bertolt Brecht)
Es gibt wohl kaum ein Thema, welches so uneingeschränkt alle Menschen betrifft wie das der Ernährung.1 In den meisten westlichen Industrieländern können Käuferinnen und Käufer aus einer schier unübersehbaren Fülle von Nahrungsmitteln ihren täglichen Tisch decken; viele der zu erwerbenden Produkte sind zu einem relativ moderaten Preis zu erwerben, zumindest dann, wenn man an die Deckung des erforderlichen Bedarfs an Nährstoffen denkt. Darunter befinden sich auch zahlreiche aus dem nahen und fernen Ausland importierte Agrarerzeugnisse zu niedrigen Preisen. Ananas, Bananen und andere früher als exotisch betrachtete Früchte gehören heute zum Alltagsbild in den Obst- und Gemüseauslagen der Geschäfte.
Ernährungstrends
Jedoch werden neben den massenweise aus aller Welt importierten erschwinglichen Produkten auch hochpreisige Feinschmeckerangebote für den großen Geldbeutel gemacht. Die in Restaurants angepriesenen Speisen werden immer raffinierter und ausgefallener, und in den Supermarktregalen werden immer mehr teure Produkte aus aller Welt verkauft.
Eine weitere Erscheinung im Bereich Ernährung in den Industrieländern ist das große Angebot von fast food oder convenience food, d.h. von Fertigprodukten, die man zum Verzehr nur noch im Backofen aufwärmen muss. Eine Folge der Zubereitung solchen Essens mit Konservierungsstoffen und Geschmackverstärkern, mit häufig hohem Zuckergehalt etc. hat zu einer steigenden Zahl von übergewichtigen Menschen und deren Gesundheitsgefährdung geführt.
Der erste Teil von Brechts Forderung scheint in den reichen westlichen Industrieländern mehr als erfüllt – aber wo bleibt die Moral? Die Frage der Nachhaltigkeit sowohl bei der Erzeugung vieler Agrarprodukte noch beim Konsumverhalten wird viel zu selten gestellt.
Umweltbelastung oder Nachhaltigkeit
Häufig werden insbesondere Agrarerzeugnisse, die dank chemischer Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel in riesigen Monokulturen erzeugt worden sind, bereits vernichtet, bevor sie überhaupt die Verbraucher erreichen, um einen gewissen Preis am Markt zu halten oder weil ihre Form oder Größe nicht den Standards entspricht. Ein zurzeit in Europa viel diskutiertes Thema ist der Milchpreis, der aufgrund einer Überproduktion durch die Massentierhaltung so niedrig ist, dass die Bauern ihre Kosten nicht decken können. Die weiterhin steigende Subventionierung der Land- und Viehwirtschaft ist die Folge,2 bei gleichzeitig zunehmender Umweltbelastung durch überdüngte Böden und verstärkte CO2-Emissionen.
Neben dem Bild von Fülle und Verschwendung steht die Tatsache, dass bei einer zunehmenden Anzahl von Menschen in den reichen Ländern das Einkommen nicht mehr ausreicht, um die Grundbedürfnisse zu decken. Sie sind darauf angewiesen, dass ihnen Hilfsorganisationen an den sogenannten Tafeln die Lebensmittel zur Verfügung stellen, die diese aus den Überschüssen und eigentlich zu vernichtenden Lebensmitteln der Supermärkte „gerettet haben. Eine Protestbewegung insbesondere junger Menschen hat inzwischen deutlich gezeigt, dass trotz des Verfallsdatums viele Lebensmittel weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus gut genießbar sind: In spektakulären Aktionen haben sie sich eine Zeitlang ausschließlich von solchen Produkten ernährt, die sie – widerrechtlich – aus den Mülltonnen geholt haben.3 Zum Thema Lebensmittelverschwendung siehe den Beitrag von Melanie Arriagada.
Inzwischen hat in...

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