6. – 13. Schuljahr

Katharina Hohmann | Robert Marco

Fremdsprachenerwerb möglich machen

Spanischunterricht in herausfordernden Kontexten

Der Spanischunterricht hat mittlerweile auch in die integrierten Schulformen Einzug gehalten, in denen die Unterrichtsvoraussetzungen in der Regel andere Herausforderungen mit sich bringen als am Gymnasium. Eine sehr diverse Schülerschaft und eine Bandbreite an unterrichtsstörendem Verhalten erfordern ein gutes Classroom-Management.

Der vorliegende Artikel soll ein Beitrag aus der Praxis für die Praxis sein. Er beruht auf den Unterrichtserfahrungen des Autors und der Autorin, die Spanisch und Französisch an einer Integrierten Sekundarschule in Berlin-Kreuzberg unterrichten. Auf eine kurze Skizzierung der Unterrichtsvoraussetzungen folgt zunächst die Darstellung der Herausforderungen, mit denen Lehrkräfte im Unterrichtsalltag konfrontiert sind. Anschließend werden Lösungsansätze und Methoden vorgestellt, die sich bewährt haben, um den sehr (leistungs)heterogenen Lerngruppen beim Erwerb der zweiten Fremdsprache gerecht zu werden. Im Fokus steht dabei das ETEP-Programm, das den Schwerpunkt auf die Stärken und Potenziale eines Kindes legt, wodurch Schüler*innen motiviert und positives Verhalten verstärkt und gefördert werden.
Unterrichtsvoraussetzungen
Wir unterrichten Spanisch und Französisch als zweite Fremdsprache an der Ferdinand-Freiligrath-Schule in Berlin-Kreuzberg. Es handelt sich um eine Integrierte Sekundarschule (ISS) (noch) ohne gymnasiale Oberstufe. Unsere Schule wird derzeit von 261 Schüler*innen besucht, darunter 75,1% mit nicht deutscher Herkunftssprache. In jedem Jahrgang gibt es einen Spanisch- und einen Französischkurs, die sich klassenübergreifend aus den Schüler*innen zusammensetzen, die sich zu Beginn des 7. Schuljahres für eine zweite Fremdsprache entschieden haben.
Ein Fremdsprachenkurs besteht, je nach Jahrgangsstärke, aus 14 bis 23 Schüler*innen, darunter befinden sich bis zu drei mit ausgewiesenem sonderpädagogischem Förderbedarf, z.B. Förderschwerpunkt Lernen, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung oder Autismus.
Doch auch Schüler*innen ohne ausgewiesenen Förderbedarf bringen ein buntes „Potpourri an Herausforderungen mit in den Fremdsprachenunterricht (FSU). Sie neigen zu motorischer Unruhe, verfügen über eine geringe Aufmerksamkeitsspanne, haben nur bedingt Ausdauer oder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, zeigen unangepasstes, auffälliges Sozialverhalten oder legen impulsive Handlungsweisen an den Tag. Wieder andere sind schuldistant und nur selten im FSU zugegen. Diesen Unterrichtsbedingungen steht die Lehrkraft in der Regel allein gegenüber, d.h., Doppelsteckungen (Anwesenheit einer zweiten Lehrkraft) oder die Anwesenheit von Sonderpädagog*innen sind eher die Seltenheit. Die Unterrichtsvoraussetzungen sowie die schulischen Rahmenbedingungen stellen hier eine ganz besondere Herausforderung für Lehrkräfte dar.
Herausforderungen im Unterrichtsalltag
Viele Schüler*innen haben bereits unzählige negative Erfahrungen in ihrer Schullaufbahn gemacht, was ihre Einstellung gegenüber dem Unterricht stark negativ geprägt hat. In den ersten Stunden des FSU ist ein Großteil noch motiviert, ja fast schon ungeduldig, eine neue Sprache zu erlernen, und das, obwohl das primäre Abschlussziel nicht das Abitur ist, für dessen Erwerb das Belegen einer zweiten Fremdsprache die Voraussetzung bildet.
Schnell zeigt sich jedoch, dass diese Motivation nur von kurzer Dauer ist, da, z.B. in Ermangelung geeigneter Lerntechniken, der schnelle Lernerfolg ausbleibt oder die Lernenden durch ihr unerwünschtes Verhalten sehr oft negatives Feedback bekommen. Waren sie am Anfang bei „Hola, „¿Cómo estás? und „¿Cómo te llamas? noch voller Elan dabei, verlieren sie schnell das Interesse und zeigen stattdessen, aufgrund von Langeweile und geringer Motivation, unterrichtsstörendes Verhalten.
Hinzu kommt, dass sie kaum in der Lage sind, einem stark...

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