6. – 13. Schuljahr

Katharina Kräling | Anja Schreck

Imagina animales nichts ist, wie es scheint

Durch ein BilderBuch die Welt mit anderen Augen sehen

Mit dem BilderBuch Imagina Animales lernen die Schüler eine Reihe außergewöhnlicher Wesen kennen, die durch die Kombination unterschiedlicher Alltagsgegenstände und realer Tiere entstanden sind. Nachdem die Lernenden mithilfe der beschreibenden Begleittexte das ästhetische Gestaltungsprinzip dieser Tiersammlung erschlossen und die einfallsreiche Komposition der Namen verstanden haben, werden sie selbst produktiv, indem sie die Tiersammlung fortschreiben oder ihr ganz eigenes Bestiario erstellen.

Imagina animales bietet vielfältige Möglichkeiten des literarästhetischen Lernens. In der hier vorliegenden Lernaufgabe für den Anfangsunterricht steht die literarische Produktion auf Basis der Bildtexte im Vordergrund.
Imagina animales als Bestiarium
Sind die Dinge um uns herum wirklich leblose Objekte oder gibt es verborgene Seiten, die es zu entdecken gilt? Das BilderBuch1 Imagina animales lädt uns als Leserinnen und Leser auf spielerische Art und Weise dazu ein, unsere alltägliche Umgebung mit anderen Augen zu betrachten und neue Perspektiven auf scheinbar Bekanntes zu entwickeln.
Imagina animales stammt aus der Feder des Autors Xosé Ballesteros und des Illustrators Juan Vidaurre und wurde 2008 in Spanien erstmals publiziert. Bei dem BilderBuch handelt es sich um eine Art Bestiarium, ein Kompendium nicht domestizierter Tiere, die abgebildet und mit ihren wesentlichen Eigenschaften beschrieben sind.
Mit dem Bestiario knüpfen Ballesteros und Vidaurre an eine lange Tradition von Tierdarstellungen an, die vor allem im Mittelalter populär waren, aber auf viel ältere Vorgänger wie den Physiologus zurückblicken können, der in Griechenland von einem unbekannten Autor vermutlich zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert vor Christus geschrieben wurde. Anders als moderne Tierlexika oder Tierzeichnungen von berühmten Forschern wie Sibylla Merian oder Alexander von Humboldt, enthalten die Bestiarien des Mittelalters zwar auch Illustrationen der Tiere und ihrer Lebenswelten, beinhalten aber immer auch biblische Bezüge und moralische Lehren, die die Lebewesen als einen Teil von Gottes Schöpfung zeigen. Auch der Physiologus diente nicht einer naturwissenschaftlichen Bestandsaufnahme der Tierwelt und der Verbreitung von Wissen, sondern ist als eine Deutungsgeschichte und als Sinnsuche zu sehen. Im spanischsprachigen Raum der Moderne ist das Libro de los seres imaginarios von Jorge Luis Borges und Margarita Guerrero, 1957 erstmalig und zunächst noch unter dem Titel Manual de zoología fantástica publiziert, vermutlich das bekannteste Bestiario, das an die Tradition der sogenannten mythologischen Bestiarien anknüpft. Es versammelt eine Vielzahl fantastischer Tierfiguren, von denen einige der Mythologie entstammen.
Vom platafín bis zum torotenaz
Auch die Tiere, die wir im BilderBuch Imagina animales vorfinden, sind keine Ergebnisse moderner Tierforschung, sondern – wie der Titel schon besagt – imaginierte Wesen, die auf wundersame Weise aus den Gegenständen des Alltags hervorkommen. Autor und Illustrator nutzen das ästhetische Prinzip der Dekontextualisierung und verändern auf diese Weise die Bedeutung der Dinge. Das BilderBuch vereint insgesamt zwölf Tiere, vom platafín über die metrocol bis hin zum torotenaz. Zwischen der Form des jeweiligen Alltagsgegenstandes, z.B. einem Werkzeug wie der Kneifzange, einem Lebensmittel wie der Banane oder einem Kleidungsstück wie dem Schuh, und dem Erscheinungsbild des daraus kreierten Tieres besteht jeweils eine Analogie. Die Namen der imaginierten Tiere sind – ähnlich wie das Tier selbst – eine sprachliche Komposition aus beiden Elementen, also der jeweiligen Bezeichnungen von Tier und Gegenstand: So ist der platafín eine Zusammensetzung aus dem Tier Delphin und seinem spanischen Namen delfín sowie einer Banane und deren Bezeichnung auf...

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