6. – 7. Schuljahr

Patrick Tellmann

Stimme, Sprache und Spaß

Rap im Spanischunterricht

In der hier vorgestellten Einzelstunde üben die Schülerinnen und Schüler einen spanischsprachigen Rap mit dem Ziel ein, den Gebrauch der Indefinitbegleiter mucho und poco auf spielerische, musikalische Weise zu trainieren. Diese Form des Lernens sorgt für einen hohen Sprechanteil aller Beteiligten und ermöglicht gleichzeitig ein effektives Aussprachetraining.

Aus dem Spanischraum dröhnt Musik, und im Vorbeigehen hört man dreißig Stimmen, die im Chor den Refrain eines Raps wiederholen – hier wird gerappt, und zwar auf Spanisch. Die Klasse hat ihren eigenen Text geschrieben, den sie nun einübt. Nach Stundenende kann man hören, wie die Schülerinnen und Schüler ihren Rap mit in die Pause nehmen und ihn stolz und rhythmisch sicher ihren Mitschülern präsentieren.
Mit dem Einsatz von Raps wird ein Element in den Unterricht geholt, das stark in der Lebenswelt der Schüler verankert ist. Zudem eröffnet Rapmusik eine Vielzahl an Möglichkeiten für einen motivierenden Zugang zum Lernen, indem die gesprochene Sprache in ein musikalisches Gewand eingebettet wird. Der Sprechgesang sorgt für einen spielerischen und gestalterischen Umgang mit Sprache, und das rhythmische Wiederholen der Textzeilen hilft den Lernenden, sich den Text einzuprägen. Das gemeinsame Rappen einer ganzen Klasse schafft eine Stunde, in der jeder Einzelne viel und mit hoher Motivation Spanisch spricht.
Wie lässt sich nun konkret mithilfe eines Raps ein grammatisches Phänomen im Spanischunterricht aufgreifen und erabeiten? Auf diese Frage soll der vorliegende Artikel eine Antwort geben. Grundsätzlich kann aber an dieser Stelle schon festgehalten werden, dass der Rap eine inhaltliche Rahmung schafft, innerhalb derer viele verschiedene Lernaspekte zugänglich werden: Rappen als Übung der Aussprache, als motivierender Zugang zu einem grammatischen oder inhaltlichen Thema, als Sprechanlass über eine neue sprachliche Struktur sowie als Möglichkeit der kreativen Auseinandersetzung mit der Fremdsprache.
Einüben eines Raps mit der Klasse
Die hier beschriebene Einzelstunde sollte etwa im zweiten Halbjahr des ersten Lernjahres einer sechsten Klasse stattfinden. Das inhaltliche Thema der Stunde ist die Beschreibung einer Stadt. Das Lernziel der Stunde ist es, den Gebrauch der Indefinitbegleiter mucho und poco in einem sprachlichen Kontext zu erarbeiten: „En mi ciudad hay muchas casas. Für meinen eigenen Unterricht habe ich zu diesem Zweck einen Rap entwickelt, der an den Vorkenntnissen meiner Schüler anknüpft und gleichzeitig das neue Grammatikphänomen präsentiert (s. Kasten 1).
1|El rap de mi ciudad
1|El rap de mi ciudad
Este es el rap de mi ciudad.
Hay muchas cosas muy hermosas. (2x)
En mi ciudad hay muchas plazas.
En mi ciudad hay muchos cines.
En mi ciudad hay mucha gente.
Y en mi ciudad hay muchas casas.
Este es el rap de mi ciudad.
Hay muchas cosas muy hermosas. (2x)
En mi ciudad hay pocos parques.
En mi ciudad hay pocas panaderías.
En mi ciudad hay poco ruido.
Y en mi ciudad hay pocas calles.
Este es el rap de mi ciudad.
Hay muchas cosas muy hermosas. (2x)
Der Rap beginnt mit einem zweizeiligen, sich wiederholenden Refrain. Daran schließen sich zwei Strophen an, die nach dem gleichen Muster gebaut sind: Auf den Satzanfang „En mi ciudad hay ... folgt je ein deklinierter Begleiter und ein Substantiv, die zusammen ein Element einer Stadt beschreiben. Zur authentischeren Umsetzung der Musik habe ich einen passenden Beat zur Begleitung gewählt.
Den Einstieg in die Stunde bildet die Begegnung mit dem Rap, den ich einmal in seiner vollen Länge zum Audiotrack vormache. Es folgt eine Übungsphase, in der ich je eine Zeile isoliert vorspreche, die Schüler sprechen nach. Wichtig ist dabei die korrekte Umsetzung des Rhythmus – an dieser Stelle verlangsamt und ohne Beat; der Grundschlag (1 2 3 4) wird durch Schnipsen angegeben. Nach diesem Muster wird Zeile für Zeile erarbeitet....

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