7. – 13. Schuljahr

Lena Krogmeier

Schriftliche Sprachmittlung fördern und evaluieren

Die schriftliche Sprachmittlung in die Fremdsprache ist ein Aufgabenformat im Abitur und damit eine wichtige Kompetenz für den gesamten Spanischunterricht, die sukzessive trainiert werden muss. Welche Kompetenzen damit einhergehen, nach welchen Kriterien Aufgaben gestellt und Texte aus-gewählt werden sollten und wie die Bewertung funktionieren kann, zeigt dieser Basisartikel.

Spätestens seitdem Sprachmittlung als Aufgabenformat in zentrale Abschlussprüfungen, insbesondere in die Abiturprüfungen der Länder, Einzug gehalten hat, ist sie in aller Munde: Was ist Sprachmittlung? Warum sollten wir Sprachmittlungskompetenz fördern? Wie können wir diese komplexe Kompetenz sukzessive anbahnen und Schülerinnen und Schüler auf Prüfungen vorbereiten? Mit welchen Aufgaben und Kriterien können wir Sprachmittlungskompetenz evaluieren?
Dabei geht es bisher, womöglich aus organisatorisch-pragmatischen Gründen, nicht primär um mono- oder bidirektionale mündliche Szenarien; vielmehr ist es die schriftliche Sprachmittlung in die Fremdsprache, die sich im Rahmen der kombinierten Aufgaben im Abitur durchgesetzt hat.1 Was kennzeichnet die schriftliche Sprachmittlung und wie können wir den Herausforderungen begegnen, die diese für den Spanischunterricht relativ neue Kompetenz an uns stellt?
Zur Definition der schriftlichen Sprachmittlung
Dass insbesondere schriftliche Sprachmittlung nicht gleichzusetzen sei mit einer philologischen, möglichst wortgetreuen Übersetzung, wurde vielfach betont und hervorgehoben, sodass sehr deutlich wurde, was Sprachmittlung nicht ist. Lange blieb dabei allerdings unberücksichtigt, dass das funktionale Verständnis des Übersetzungsbegriffs in den Translationswissenschaften dem Begriffsverständnis, das in der Fremdsprachendidaktik der Definition der „Sprachmittlung zugrunde liegt, sehr wohl ähnelt.2 Durch einen Rückgriff auf die Skopostheorie von Reiß und Vermeer konnte der Sprachmittlungsbegriff so genauer definiert werden. Außerdem werden dadurch dessen Schnittstellen mit aktuellen Theorien der Übersetzungswissenschaft sichtbar. Nach der Skopostheorie ist die Wahrung des translatorischen Kommunikationszwecks bzw. -ziels [griech. skopos „Ziel; „Zweck] höher einzustufen als philologische Genauigkeit. Die übersetzerische „Handlung [ist also] dann ‚geglückt, wenn sie als situationsadäquat (sinnvoll) erklärt werden kann. (Reiß/Vermeer 1984: 99). Das Ziel, situative „Adäquatheit herzustellen, findet sich auch in fremdsprachendidaktischen Definitionen zur Sprachmittlung wieder (z.B. Reimann 2013). Es hat seither das Bestreben, einen zum Ausgangstext möglichst „äquivalenten Zieltext zu verfassen, abgelöst. Nun ist „Adäquatheit ein eher vages Konzept: Wann ist ein Zieltext adäquat bzw. wann ist ein adäquates Kommunikationsziel erreicht?
Die am Zweck ausgerichtete, interlinguale Kommunikation ist dann gelungen, wenn der Sprachmittler die Botschaft eines Ausgangstextes inhaltlich unverfälscht verständlich an einen Adressaten einer anderen Sprache und Kultur übermitteln kann und dabei die situativen Umstände berücksichtigt. Situationen können sich in vielfacher Hinsicht voneinander unterscheiden, z.B. im Grad ihrer Formalität oder in Hinblick auf den Anlass der Sprachmittlung, die erforderliche Textsorte, den Adressaten und dessen sprachlich-kulturelle Hintergründe, sein Informationsbedürfnis und sein Verhältnis zum Sprachmittler. Die Herausforderungen dieser Situation müssen auf inhaltlicher, sprachlicher, textueller, interaktionaler und interkultureller Ebene so genau wie möglich berücksichtigt werden, um das Kommunikationsziel bestmöglich zu erreichen.
Unter schriftlicher Sprachmittlung werden hier diejenigen Aktivitäten verstanden, durch die ein schriftlicher Zieltext auf der Basis eines oder mehrerer mündlicher, schriftlicher, bildlicher oder diskontinuierlicher Ausgangstexte produziert wird. Folglich ist...

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