7. – 13. Schuljahr

Kathrin Sommerfeldt

„Verfügen über die sprachlichen Mittel

Spracharbeit in Zeiten der Kompetenzorientierung

Früher war Spracharbeit klar: Da gab es Grammatik, da gab es Wortschatz, das wurde (oft lehrerzentriert und deduktiv) vermittelt meist mit den Schritten: Präsentation, Übung, Transfer und Anwendung und fertig war der „gute Fremdsprachenunterricht. Dann kam erst die kommunikative Wende, später die Kompetenzorientierung und nun ist die Verunsicherung groß
Die Bildungsstandards der KMK und die Lehrpläne bzw. Fachanforderungen, die in ihrem Gefolge in den Bundesländern entstanden sind, haben die vermeintlichen Monolithen Grammatik und Wortschatz subsumiert unter der Teilkompetenz „Verfügen über die sprachlichen Mittel und ihnen in der Sekundarstufe I noch Aussprache/Intonation und Orthografie sowie in der Sekundarstufe II kommunikative Strategien zur Seite gestellt (Tabelle 1 ). Zusammen mit den kommunikativen Fertigkeiten als weiteren Teilkompetenzen ergibt das „Verfügen über die sprachlichen Mittel dann die funktionale kommunikative Kompetenz. Was bedeutet das nun für die Spracharbeit? Welchen Stellenwert können/dürfen beispielsweise Wortschatz- und/oder Grammatikstunden im kompetenzorientierten Spanischunterricht noch haben?
Die Unsicherheit wird verschärft durch den „Verlust weiterer vermeintlich unumstößlicher Größen im Fremdsprachenunterricht. Da ist zum einen die sprachliche Korrektheit. Das Feld, in dem die Lehrkraft „Herrschaftswissen hat und das eine „objektive Bewertung erlaubt. In Zeiten der Kompetenzorientierung wurde der Fehlerindex als Gütekriterium für schriftliche Textproduktion abgeschafft und zugleich im Zuge der Aufwertung der Mündlichkeit eine größere Fehlertoleranz propagiert. Aber wie weit geht die? Wie genau muss Spracharbeit heutzutage noch sein? Und wie passt die Fokussierung auf die Kommunikation, d.h. den Austausch über Inhalte, mit der Tatsache zusammen, dass in der Bewertung zumindest im Abitur die Sprache 60% zählt und der Inhalt nur 40%?
Da ist zum anderen der Bereich der Kontrolle: Schüleraktivierung statt Lehrerzentrierung wird großgeschrieben, und das bedingt veränderte methodische Verfahren, auch bei der Spracharbeit. Die Lernenden erschließen sich grammatische Formen und Strukturen induktiv selbst, sie bestimmen bei der Arbeit mit Lernaufgaben sogar selbst mit, welche sprachlichen Mittel sie benötigen, sie üben selbstständig in kooperativen Lernformen. Dabei ist doch Spracharbeit „Lehrersache, oder nicht?
Anliegen dieses Basisartikels ist es, die Rolle der Spracharbeit im kompetenzorientierten Spanischunterricht zu klären. Ausgangspunkt dafür sind drei gängige Irrtümer. Anschließend wird die zentrale Frage beleuchtet, wie die „dienende Funktion der Spracharbeit insbesondere der Grammatik aussehen und wie kompetenzorientierte Unterrichtsplanung angelegt sein kann. Schließlich werden neuere Tendenzen der Spracharbeit aufgezeigt, die auf das „Verfügen über die sprachlichen Mittel zielen.
Drei Irrtümer
1. Kompetenzorientierung heißt: Es werden nur noch Fertigkeiten trainiert.
Der vielbeschworene Paradigmenwechsel vom Input zum Output im Zuge der Kompetenzorientierung hat zu einer starken Betonung der kommunikativen Fertigkeiten geführt. Nicht mehr der „Stoff, der vermittelt werden soll, steht im Zentrum des Unterrichts, sondern die Sprachhandlungen, die die Lernenden ausführen. In der Tat realisiert sich ja der Output im Sprechen, im Schreiben, beim Nachweis der rezeptiven Fertigkeiten sowie in der Sprachmittlung. Es ist jedoch zu kurz gegriffen, daraus abzuleiten, Grammatik- und Wortschatzstunden hätten ihre Berechtigung verloren. Denn Kompetenz ist nach Weinert definiert als „handelnder Umgang mit Wissen1. Diese Definition legitimiert Wissensvermittlung nicht nur, sie macht sie zwingend erforderlich! Kompetenz ist ohne Wissen nicht denkbar; kompetentes Sprachhandeln nicht ohne Sprachwissen, also Wortschatz und...

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