5. – 13. Schuljahr

Kathrin Sommerfeldt

Standardsituationen alles wie immer oder doch anders?

Im Fremdsprachenunterricht lassen sich unterschiedliche Phasen und Stundentypen kategorisieren. Ihnen gemeinsam sind Anforderungen an die Lehrkraft, für deren Bewältigung sie gewisse Fertigkeiten benötigt. Welche Standardsituationen die Lehrenden beherrschen müssen und wie die dafür erforderlichen Handlungsmuster trainiert werden können, stellt dieser Basisartikel vor.

„Als Standardsituation (auch kurz Standard genannt) wird eine Spielsituation in einem Mannschaftssport bezeichnet, die sich aufgrund einer vorherigen Spielunterbrechung ergibt. Die Standardsituation eignet sich wegen des relativ gut vorhersehbaren Ablaufs besonders dazu, im Training geübt zu werden. Im Fußball werden in diesem Zusammenhang vor allem der Freistoß und der Eckstoß genannt, Standardsituationen ergeben sich aber auch beim Einwurf, Abstoß, Strafstoß oder beim Anstoß. Diese Wikipedia-Definition benennt das Charakteristische von Standardsituationen: das vorhersehbare und wiederholte Auftreten bestimmter Aktionen, die ein plan- und übbares Handlungsrepertoire erfordern, für das es Grundmuster und Varianten gibt.
Anpfiff
Fremdsprachenunterricht ist – bei aller Vielfalt der Unterrichtssituationen und aller Komplexität des Unterrichtsgeschehens ebenfalls gekennzeichnet durch eine Reihe von sich wiederholenden Strukturen. Diese werden meist festgemacht an den Phasen von Stunden bzw. an deren Funktionen s. Auswahl im Kasten:
Standardsituationen im Spanischunterricht eine Auswahl
Standardsituationen im Spanischunterricht eine Auswahl
  • Stundenanfang
  • Einstieg
  • Vokabelsemantisierung
  • Visualisierung
  • Lektionseinführung
  • Erarbeitung (Text-/Material-)
  • Grammatikerklärung
  • Üben (Wortschatz-/Grammatik-/Fertigkeiten-)
  • Unterrichtsgespräch
  • Überprüfungen (Wortschatz-/Grammatik-/Verständnis-)
  • Vertiefung/Auswertung
  • Ergebnissicherung
  • Fehlerkorrektur
  • Feedback
  • Bewertung
  • Rückgabe einer Klassenarbeit/Klausur
  • Hausaufgaben
  • Stundenabschluss
Für einige solcher Standardsituationen – im Kasten durch Fettdruck hervorgehoben – werden in den Praxisartikeln dieses Heftes Handlungsoptionen und/oder neue Ideen vorgestellt: Wolfgang Steveker nimmt sich die Stundenanfänge vor, Katharina Kräling, Macarena Pérez und Anja Schreck beschäftigen sich mit Visualisierung. Das Üben thematisieren Frank Links und Nadine Meier mit unterschiedlichen Vorschlägen für Wortschatzarbeit und Yasmin Vogts in Hinblick auf Grammatikmemorisierung. Gisela Kanngießer-Krebs greift das Thema Fehlerkorrektur auf und Barbara Thomas/Martin Wolter sowie Petra Wirtz-Kaltenberg gehen auf Aspekte der Bewertung ein.
Aber nicht nur der Kategorisierung von Stundenphasen bzw. deren Funktionen, sondern auch der Kategorisierung von Stundentypen liegt die Annahme von Standardsituationen zugrunde. Im Bereich der Lehrbucharbeit wären die Stundentypen z.B. Erarbeitungsstunden, Übungsstunden und Anwendungs-/Transferstunden; im lehrbuchunabhängigen Unterricht kommen Stunden zur Erarbeitung und Auswertung unterschiedlicher Materialien hinzu. Jeder dieser Stundentypen folgt einer gewissen „Choreografie und stellt die Lehrkraft vor spezifische Anforderungen.
Vorteil einer solchen Betrachtung von Unterricht ist die Reduktion der Komplexität auf vorhersehbare Abläufe. So wird eine Erarbeitungsstunde unabhängig von ihrem konkreten Inhalt in der Regel (mindestens) folgende Phasen enthalten: Einstieg mit Anknüpfen an Vorwissen, Erarbeitung des Neuen (z.B. sprachliche Mittel oder Text), Umgang mit dem Neuen (Übung bzw. Analyse), Sicherung der Ergebnisse, Stellen der Hausaufgabe. Anforderungen an solch eine Erarbeitungsstunde im Bereich der Lehrbucharbeit wären, das Anspruchsniveau angemessen zu setzen, die Lernenden trotz des neuen Stoffes hinreichend zu aktivieren und dabei Sprechanlässe zu schaffen und auszunutzen.
Spielanalyse
Die Orientierung an Standardsituationen soll (insbesondere...

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