6. – 13. Schuljahr

Wolfgang Steveker

Stundenanfänge gestalten

Das calentamiento am Stundenanfang hilft den Schülerinnen und Schülern, in die Sprache hineinzufinden, sich warmzusprechen und ihr Vorwissen zu reaktivieren. Übungen aus früheren Lektionen aus dem Lehrbuch oder selbst erstellte Übungen wie Kommunikationskärtchen können dabei als Gesprächsanlässe dienen.

Stundenanfänge sind wichtig (Butzkamm 32012: 363). Diese banale Einsicht wird in der fachdidaktischen Literatur in den letzten Jahren immer häufiger mit Begriffen wie Aufwärmen, Eisbrecher, warm-up, calentamiento oder auch encarrilamiento verbunden. Gemeint ist mit all diesen Termini eine kurze, klar geregelte Sprechphase zu Beginn einer Spanischstunde noch vor dem eigentlichen thematischen Einstieg. Recht forsch fordert Peter Bade in der aktuellen Auflage der „Fachdidaktik Spanisch: „Keine Spanischstunde ohne calentamiento! (Grünewald/Küster 22018: 276). Diesem Ausruf möchte ich mich von ganzem Herzen anschließen, denn kaum eine andere Standardsituation des Spanischunterrichts hat so viel – bislang oft noch brachliegendes – Potenzial für einen nachhaltigen Lernerfolg zu bieten.
Ritualisierte Stundeneröffnung
Das calentamiento als Stundeneröffnung ist in aller Regel ritualisiert, folgt also im Grundsatz immer demselben Ablauf. Es ermöglicht den Schülerinnen und Schülern in der Fremdsprache „anzukommen, also sich warmzusprechen, Strukturen zu wiederholen und Vorwissen zu reaktivieren, bevor dann die eigentliche Arbeit beginnt. Damit dies gelingen kann, findet diese Phase fast immer als Simultanübung in Partnerarbeit (meist mit dem Sitznachbarn) statt, d.h. alle Schüler sprechen auf einen steuernden Impuls hin gleichzeitig halblaut miteinander. Die Phase beginnt zu Stundenbeginn unmittelbar nach der Begrüßung und endet in der Regel nach höchstens vier oder fünf Minuten. Die Schüler arbeiten während dieser Zeit eigenverantwortlich im Schonraum, sodass die Lehrkraft Freiraum für die Erledigung von organisatorischen Aufgaben gewinnt (z.B. die Anwesenheit kontrollieren, den Lernstoff ins Klassenbuch eintragen, den Computer hochfahren, die Bluetoothverbindung zum Lautsprecher herstellen usw.). Für den Impuls gibt es vielfältige Möglichkeiten, es gilt allerdings zu beachten, dass er den Schülerinnen und Schülern schon aus dem vorherigen Unterricht bekannt sein muss und nichts Neues oder Unbekanntes einfordern darf, denn er soll ja eine sofortige Sprechphase auslösen und darf daher keine Unklarheiten hervorrufen und kein längeres Nachdenken auslösen. Anders gesagt: Er hat rein übenden und reaktivierenden Charakter. Gut geeignet sind daher:
  • bereits bekannte Übungen oder Aufgaben jeglicher Art aus dem Lehrwerk, die mündlich durchgeführt werden können (s. Abb. 1 ),
  • Satzanfänge, Stichwörter, Situationen, Fragen, Bilder, Illustrationen aus der zuvor behandelten Lektion oder Unterrichtsequenz (s. Abb. 2 ),
  • Partnerübungen jeglicher Art (z.B. Kommunikationskärtchen, Tandembögen, Konjugationsübungen), die zuvor bereits im Unterricht durchgeführt wurden (s. Abb. 3 ).
Ein Grundsatz dabei ist: Es soll schnell gehen. Der Impuls wird daher zu Stundenbeginn zügig über den Tageslichtprojektor an die Wand geworfen, über die digitale Tafel gezeigt oder an die Wandtafel geschrieben, die Sprechphase beginnt dann sofort.
Diese Art des Stundenanfangs kann vom eigentlichen Stundenthema gänzlich abgekoppelt sein. Es spricht nichts dagegen, bereits behandelte Übungen aus dem Lehrwerk mehrfach als Impuls bzw. Übungsmaterial für die Aufwärmphase zu nutzen. Gleiches gilt z.B. für bereits verwendete Tandembögen (deren Erstellung lohnt sich schließlich um so mehr, je öfter sie eingesetzt werden). Solche Materialien können im Rahmen des calentamiento übrigens auch ohne Weiteres nochmals mit größerem zeitlichem Abstand eingesetzt werden; ihr Einsatz dient dann dem verteilten Üben und Wiederholen, d.h. der erneuten Umwälzung und Festigung bereits erworbener Strukturen...

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