9. – 13. Schuljahr

Natascha Remmert

Chocolate, hamaca, jaguar

Indigene Sprachen in Hispanoamerika und ihr Einfluss auf das Spanische

Schon seit vielen Jahrhunderten existieren sie nebeneinander, die indigenen Sprachen Hispanoamerikas und die dort gesprochenen Varietäten des Spanischen. Vor allem im lexikalischen Bereich haben die indigenen Sprachen ihre Spuren im Spanischen hinterlassen und manchmal sogar in der ganzen Welt. Die Schüler erforschen diese Spuren und erarbeiten eine Reportage zum Año de las lenguas indígenas.

Hispanoamerika, ein Wort, das zunächst nur auf die spanischsprachigen Länder Lateinamerikas zu verweisen scheint. Dabei steckt hinter dieser Bezeichnung so viel mehr, da auf dem Gebiet der 19 Länder Hispanoamerikas mehrere Hundert indigene Sprachen beheimatet sind. Zahlen darüber, wie viele indigene Sprachen genau gesprochen werden, variieren stark. Für Lateinamerika gibt es Schätzungen, die von 400 – 500 (Sakel/Stolz 2012:7) bis zu 630 (Kausen 2014:725) indigenen Sprachen reichen. Über die politische und gesetzliche Anerkennung der indigenen Sprachen entscheidet jeder Staat innerhalb Hispanoamerikas eigenständig. Die spanische Sprache dominiert in allen Ländern als offizielle Sprache und/oder Nationalsprache. Erst in den letzten Jahrzehnten und nach vielen Jahrhunderten der Marginalisierung und Diskriminierung der indigenen Sprachen erfolgt mit einem neuen ethnolinguistischen Selbstbewusstsein der indigenen Bevölkerung ein langsames Umdenken und ein anderer Umgang mit der vorherrschenden Mehrsprachigkeit. So ist z.B. in Paraguay Guaraní offizielle Sprache, in Mexiko wurden insgesamt 68 indigene Sprachen zu Nationalsprachen deklariert, in Bolivien zählen 36 Sprachen zu den offiziellen Sprachen und in Peru neben Quechua und Aimara auch die anderen indigenen Sprachen, jeweils gebunden an die Region, in der sie gesprochen werden (vgl. Zajícová 2017).
Indigene Sprachen Hispano-amerikas gestern und heute
Seit dem Beginn der Conquista sind auf dem Gebiet des heutigen Hispanoamerikas viele der autochthonen Sprachen ausgestorben und auch aktuell sind viele davon in ihrem Fortbestand bedroht. Es handelt sich dabei meist um Sprachen mit vergleichsweise wenigen Sprechern, was eine natürliche Weitergabe von Generation zu Generation erschwert. Andere Gründe des Sprachensterbens sind das Schulsystem, wo der Unterricht oft ausschließlich auf Spanisch gehalten wird, außerdem eine fehlende Verschriftlichung der indigenen Sprachen und die Flucht vom Land in die Stadt (vgl. Grotefels 2017).
Trotz dieses eher düster erscheindenden Panoramas gibt es viele Regionen, in denen eine oder mehrere indigene Sprachen gesprochen werden. Zu den meist gesprochenen zählen Quechua (Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Argentinien, Chile), Guaraní (Paraguay, Argentinien, Bolivien), die Maya-Sprachen (Guatemala, Mexiko, Honduras), Aimará (Bolivien, Peru, Chile), Náhuatl (Mexiko) und Mapudungún (Chile, Argentinien). Dieser Beitrag soll zeigen, welchen lexikalischen Einfluss diese Sprachen auf das Spanische hatten und immer noch haben. In seiner historischen Vorreiterrolle werden auch einige Beispiele aus dem bereits um 1600 ausgestorbenen Taíno genannt, das zu den Aruak-Sprachen gehörte und vor allem auf den Antillen gesprochen wurde.
Lexikalische Einflüsse der indigenen Sprachen
Wegen des höheren Prestiges, das dem Spanischen in den Ländern Hispanoamerikas weiterhin anhaftet, war es über die Jahrhunderte vor allem das Spanische, das Einfluss auf die autochthonen Sprachen Hispanoamerikas genommen hat und nicht umgekehrt. Eine Beeinflussung war somit i.d.R. eher einseitig. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der lexikalische Bereich.
Die Mehrzahl der Wörter, die aus indigenen Sprachen ins Spanische übergingen, wurden in ihrer Flexion, Schreibung und Lautung an das spanische Sprachsystem angepasst. Viele davon sind ausschließlich in der Region bekannt, wo diese gesprochen werden. Bei Wörtern, wie el/la cuate/a (aus...

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