8. – 9. Schuljahr

Gisela Kanngießer-Krebs

¿Quiénes eran los incas?

Auf Spurensuche mit der achten Klasse

In drei Stationen (Tambos) befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Ursprüngen, der Kosmovision und der Geschichte der Inkas. Sie begegnen Manco Capac und Mama Ocllo, den legendären Gründern des Inka-Reiches, erkunden das Weltbild der Inkas und treten in einem Wissenscontest über die diez datos decisivos gegeneinander an.

Jeder Blick auf Lateinamerika macht deutlich, dass dort das Leben auf den verschiedensten Ebenen von dem Phänomen des mestizaje eingefärbt ist. Traditionen aus der präkolumbischen Zeit sind erhalten geblieben, sie haben sich mit europäischen, afrikanischen oder auch asiatischen Elementen zu einem Synkretismus verwoben, der die vielfältigen kulturellen Äußerungen in jeweils erstaunlichen Legierungen aufleuchten lässt.
Die Gegenwart des Kontinents ist eine Fortführung seiner Geschichte, fundamental geprägt durch dreihundert Jahre conquista und colonia. Dass bis heute das Leuchtfeuer der alten Hochkulturen flackert – und in den vergangenen Jahrzehnten sogar wieder an Energie hinzugewonnen hat, unterstreicht die Bedeutsamkeit, die dem Thema culturas precolombinas auch in unserem Spanischunterricht zukommt.
Die Kultur der Inkas
Die Inkas sind eine der wichtigsten Hochkulturen Alt-Amerikas. Als die spanischen Eroberer um 1530 in Südamerika eintrafen, erstreckte sich das Inka-Reich über 950.000 Quadratkilometer vom Süden Kolumbiens bis nach Chile und Argentinien hinein. Die Hauptstadt dieses immensen Reiches, des Tahuantinsuyo („Reich der vier Weltgegenden), war Cusco und befand sich im heutigen Perú. Ihre Ursprünge sahen die Inkas selbst in der Gegend des Titicaca-Sees, von dort aus expandierten sie zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert, unterwarfen dabei schätzungsweise 200 ethnische Gruppen und beherrschten das Gebiet mit einem hierarchisch strengen Organisationssystem. An der Spitze stand der Sapa-Inca (der „einzige Inka), der Sohn des Sonnengottes Inti, der als göttlicher Herrscher verehrt wurde. Dieser heiratete seine Schwester; auf diese Weise wurde die göttliche Dynastie über mehrere Generationen weitergeführt.
Der Inka-Staat war ein Beamtenstaat, der sich auf die Agrarwirtschaft stützte und die Versorgung des Reiches umfassend regelte. Die Bevölkerung arbeitete zu einem Drittel für den Sonnenkult und zu einem Drittel für den Erhalt der Aristokratie und des Militärs. Das verbleibende Drittel letztlich war für die Familien selbst, für die Alten, Kranken, Witwen, Waisen und Hilfsbedürftigen bestimmt. Die heute noch sichtbaren weitläufigen Anbauterrassen in den gebirgigen Gebieten (terrazas de cultivo) und die Ruinen der großangelegten Speicherbauten rufen immer noch Bewunderung hervor.
Das Reich wurde durchzogen von befestigten Straßen, die dem Warentransport und der Mobilisierung der Tuppen dienten. Der Camino del Inca oder Chapaq-Ñan beispielsweise führte auf 6000 km von Cusco bis nach Quito. Auf diesen Straßen befand sich alle 17 km ein tambo. Hier gab es Proviant und Kleidung für die Truppen, und hier warteten auch die Chasquis aufeinander, professionelle Staffelläufer, die es schafften, Nachrichten pro Tag 400 km weiterzuleiten!
Man vermutet, dass die Inkas über eine Schrift verfügten. Die gewebten Tocapu-Muster enthalten Indizien dafür, sie konnten aber bis heute nicht entschlüsselt werden. Bekannt sind indes die quipus, die dazu verwendet wurden, Informationen in Zahlenform festzuhalten. Diese Knotenschrift war in Wollfäden eingearbeitet und folgte einem logischen Dezimalsystem. Von größter Bedeutung aber ist die Tatsache, dass sich bis heute die Amtssprache des inkaischen Reiches lebendig gehalten hat, das Quechua oder auch Kichwa. Diese Sprache wird von über zehn Millionen Sprechern tagtäglich im den weiten Gebieten der Anden gesprochen und ist inzwischen in einigen Ländern als offizielle Amtssprache anerkannt worden.
Immer wieder wird in Legenden das...

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